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ÜBER MICH

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ARTIST STATEMENT

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Meine Skulpturen befinden sich im Spannungsfeld von Distanz und Intimität, Masse und Fragilität.
Polaritäten aufzeigen und verbinden sind für mich Schwerpunkt und Herausforderung.
Die abstrakte Formensprache mit partieller Anlehnung an das Figürliche hat eine klare Struktur mit fließender Linie.

Die Form im Kopf. Von vage bis konkret. Egal, sie will raus.
Die Annäherung an den Stein. Verbindung aufnehmen. Linien. Umrisse. Möglichkeiten. Auch Intuition führt die Hand.
Geduldiges Abtragen von Jahrmillionen. Ehrfurcht.
Glitzender Stein spritzt nach allen Seiten. Lärm. Staub. Zweifel. Die Form erahnen. Die Richtung stimmt. Nimmermüde. Immer weiter.Doch Stopp. Pause. Abwarten. Neue Sichtweisen. Dann konkret. War es so geplant?
Der erste Schliff. So viel Zeit. Mit Elan und Gefühl.
Das Korn wird feiner. Gedanken flüchtiger.
Nah dem Ziel. Nur Vorsicht. Schaffen mit Bedacht.
Das Ergebnis mit Stolz. Von mir geprägt. Demütig die Erkenntnis.
Der Stein hat mich gelassen.
Zufriedene Mattigkeit. Zarter Drang nach mehr.
Die Form im Kopf. Von vage bis konkret. Egal, sie will raus.

Norbert Diemert 2012

DIE FORM IM KOPF

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BALANCEAKTE

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Einblicke in die Werkserie Geneigte von Norbert Diemert

„We do not wish to copy nature.
We do not want to reproduce, we want to produce.
We want to produce as a plant produces a fruit and does not itself produce.“1
Jean Arp (1886–1966)

Weibliche, deutlich abstrahierte Körper sind in unterschiedlichsten Graden zur Seite oder nach hinten geneigt. Manche scheinen kurz vor dem Fall. Ihre Proportionen unterscheiden sich. Jede Geneigte hat ihre ganz persönliche Kontur und doch sind sie sich ähnlich. Durch die Anordnung vieler entsteht eine fortlaufende Bewegung im Raum. Fast alle sind aus Stein. Jede der 27 Skulpturen ist etwa 31 Zentimeter hoch und 3 Kilogramm leicht. Der Hals ist ihre fragilste und damit die herausforderndste Stelle. Begonnen hat der Bildhauer Norbert Diemert diese Werkserie erst im Frühjahr 2020. Ein Ende ist offen.

 

Nobert Diemerts Steinskulpturen entstehen sowohl von außen nach innen als auch von innen nach außen: Ausgehend von „der Form im Kopf“, so der Künstler selbst, trägt er Schicht um Schicht des massiven Steinblocks ab. Schließlich bleibt nur etwa ein Drittel des ursprünglichen Materialblocks in Form des Kunstwerks zurück. Bereits mit dem ersten Schlag auf den Meißel zieht sich das Thema der Metamorphose wie ein roter Faden durch das Werk. Und nicht nur das: Die Unbestimmtheit ihrer Oberfläche, die ihr innewohnende Möglichkeit zur Verwandlung, bleibt auch nach der Vollendung der Skulptur bestehen. Der Blick der BetrachterInnen wandert zwischen den angedeuteten Zeichen umher und über die offene Form des Kunstwerks. Seine Geneigten bewegen sich stets zwischen zwei Polen, sie sind Balanceakte, Zwischenräume. Ihre Oberflächen sind auf das intensive Spiel mit Licht und Schatten ausgerichtet. Hier lässt der Künstler zweifellos den Blick des Fotografen in seine bildhauerische Arbeit einfließen. Eine seiner Geneigten hat Diemert sogar als hochglänzenden Bronzeguss anfertigen lassen. Nicht zuletzt dadurch lassen seine freien Formen an das organisch abstrakte Formenrepertoire Jean Arps oder Constantin Brâncușis denken.

Impulse für seine freien Formen aus Stein findet der Bildhauer Norbert Diemert durch Beobachtungen im Alltag und in der Natur. Es geht ihm jedoch nicht um das Nachahmen oder bloße Abbilden der vorgefundenen Eindrücke, sondern um die Versinnbildlichung von Spannungsverhältnissen. Durch das Arbeiten in Serien entstehen zusätzliche spannungsreiche Vergleichsmomente. Diemert verwandelt das Gesehene in etwas bisher Ungesehenes. Das Schwanken zwischen Dynamik und Statik, Figuration und Abstraktion, Mensch und Natur ist ein wiederkehrendes Thema seines gesamten Schaffens. Immer wieder trifft man hier auch auf das Sujet der Weiblichkeit. All seine Skulpturen befinden sich im Dazwischen. Ihnen ist die Möglichkeit zur Verwandlung eingeschrieben. Dies verraten auch die Titel weiterer Serien, die zwischen 2010 und 2020 entstanden sind: Fluidum, Balance im Fluss, Metamorpha, Empora, Schwingung. Einige dieser Werkserien sind bisher unabgeschlossen. Ihre Steinskulpturen zeigen sich groß- oder kleinformatig, stehend oder liegend, manchmal sogar schwebend. Bisweilen sind dezente Bezüge zu Henry Moore, Alberto Giacometti oder Jaume Plensa zu entdecken.

 

Meißeln, Sägen, Fräsen, Schleifen, Polieren – je nach Intensität dieser aufeinanderfolgenden bildhauerischen Mittel erzielt der Künstler unterschiedlichste Wirkungen. Schon ein einzelner Stein ist extrem wandelbar. Er hat nicht nur seinen ganz eigenen Fingerabdruck, sondern sogar mehrere Oberflächen, die sichtbar gemacht werden können. Norbert Diemert fasziniert das Freilegen dieser vielfältigen Steintexturen. Für jede Skulptur ist er auf der Suche nach dem passenden Stein und stellt sich dabei immer wieder neuen Herausforderungen. Die Serie Geneigte zeigt dies ganz besonders deutlich: Ob nun Diabas, Serpentinit, Marmor, Travertin, Anröchter Stein, Granit … Der Künstler holt im Produktionsprozess die unterschiedlichsten Maserungen und Wirkungen hervor – von rau bis glatt, von stumpf bis glänzend, von monochrom bis gemustert, von hell bis dunkel. Sattes, dunkles Grün steht neben einem hellen, glänzenden Weiß. Die bewussten Spuren der Bearbeitung stehen neben einer perfekten Haut. Im Kontrast dazu vervollständigt ein stets identischer, fest mit der Skulptur verbundener Sockel aus Limestone jede Geneigte und bewahrt sie vor dem möglichen Fall.

 

Norbert Diemert betrachtet die weibliche Form als dynamische Form. Seine freien Formen aus Stein spannen sich stets zwischen der Verbindung von Mensch, Natur und Abstraktion auf. Entsprechend sind seine Geneigten filigran und voluminös, geerdet und bewegt, figural und unbestimmt zugleich. Durch die unterschiedliche Bearbeitung des Steins und die organische, fließende Linie schafft er individuelle Balanceakte und nimmt seinen Arbeiten so etwas von ihrer materialbedingten Schwere.

Text: Jasmin-Bianca Hartmann, Kunsthistorikerin

1) Jean Arp: Jours effeuillés. Poèmes, essaies, souvenirs 1920–1965. Préfarce de Marcel Jean, Paris 1966, p. 183 (1948). Zitat des deutsch-französischen Bildhauers Jean Arp bzw. Hans Arp. Englische Übersetzung des französischen Originaltextes („Nous ne voulons pas copier la nature. Nous ne voulons pas reproduire, nous voulons produire. Nous voulons produire comme une plante qui produit un fruit et ne pas reproduire.“).